ENTWURFSNACHBESSERUNG

Für den Entwurf eines Gesetzes zur Kennzeichnung von Lebensmitteln mit der Haltungsform der Tiere, von denen sie gewonnen wurden. Fassung vom 14. Juli 2022.


Offener Brief und Stellungnahme

an Herrn Bundesminister Cem Özdemir

zu dem oben angegebenen Gesetzentwurf.




Sehr geehrter Herr Bundesminister,


zuerst einmal ein riesiges Dankeschön dafür, dass Sie die vielen Reden und Ankündigungen Ihrer Vorgänger zu dieser Thematik endlich in die Tat umsetzen wollen und entsprechend handeln !

Aber, um es mit Ihren eigenen Worten zu sagen, „es wird Zeit, dass wir das, was wir machen, mit dem in Einklang bringen, was wir wollen“ (DER SPIEGEL 31.8.2022).


Wollen wir Vollspalten als Tierwohl auszeichnen ?


Wir, ebenso wie alle Verbraucher, werden die einzelnen Stufen des Tierhaltungskennzeichen als aufeinander aufbauend verstehen. Dies begründet sich nicht nur durch die Gewöhnung an die Eierkennzeichnung und den Haltungskompass des LEH, sondern auch durch die Systematik des Labels zur Schweinehaltung des Deutschen Tierschutzbundes und durch den vorgezeigten Weg zum Umbau der Tierhaltung des Kompetenznetzwerk Nutztierhaltung. Insofern wäre es aus unserer Sicht eine Form der Täuschung der Verbraucher, wenn in einem Stall der Stufe „Auslauf-/Freilandhaltung“ keine geschlossene und eingestreute Liegefläche im Stall als Mindestanforderung zur Erfüllung des unabdingbaren Funktionsbereichs „Nest“ für die Schweine eingerichtet werden muss. Wir finden es richtig, dass Sie für die Freiluftstall- und Freilandhaltung ein Mikroklima- und Schutzbereich, unter anderem durch eine eingestreute Liegefläche zu erfüllen, einfordern und im Gesetz verankern wollen. Diese Funktion kann der Auslauf natürlich nicht leisten. Der Auslauf bietet die Außenklimareize für die Schweine durch seine Offenheit und gerade auch durch die zu 80% der Jahresstunden vorherrschenden kühleren Temperaturen als im Stallinnenbereich. Ebenso unterstützt der Auslauf, insbesondere bei einem ansonsten geschlossenen Stall, das möglichst emissionsarme und daher umweltschonende Ausscheidungsverhalten der Schweine. 

Wir möchten zusätzlich und insbesondere aus aktuellem Anlass darauf hinweisen, dass durch eine eingestreute Liegefläche im Vergleich zu reinem Vollspaltenboden, die aufzuwendende Energie für die Heizung des Stalls um mindestens 50-100% reduziert wird. Wenn der Stall sogar geöffnet und auf eine natürliche Schwerkraftlüftung gesetzt wird, gilt dieses Einsparpotential ebenso für die elektrische Energie, die ansonsten für die Lüftung des Stalles benötigt wird.

Gerne können Sie sich bei einem der unterzeichnenden Betriebe ein Bild davon machen, wie solche Haltungssysteme schon bislang ohne jedweden Griff ins Steuersäckel betrieben werden! 

Weitere Fragen, die es aus unserer Sicht noch zu klären gilt, sind: 

  • Warum sollte es ausreichen an nur 8 Stunden pro Tag einen Auslauf zur Verfügung zu stellen und die Schweine über 16 Stunden dann wieder auf die gesetzliche Mindestfläche ohne Aussenklimareize und ohne eine emissionsarme Toilette zu beschränken?
  • Ab wie viel Quadratmeter offene Wandfläche pro Tier ist ein Freiluftstall ein Freiluftstall?
  • Ab wann ist ein Auslauf ein Auslauf? Fallen die Außenklimaställe mit ihrer offenen Bauweise und Bauhülle, die viele Initiativen der letzten 20-30 Jahre errichtet haben und die sich alle an der höchsten Stufe des Deutschen Tierschutzbundes orientiert haben, in die höchste Stufe Ihres Tierhaltungskennzeichen? Diese Ställe bieten tierhaltungstechnisch unbestreitbar mehr als ein konventioneller und geschlossener Stall, der um einen Auslauf erweitert wird! Ein Auslauf muss zum Schutz der Schweine vor der Sonne und zur Emissionsreduktion vollständig überdacht sein und darf auch zur Verbesserung der Biosicherheit vollständig eingenetzt sein. Den Ansprüchen der Schweine wird ein Auslauf auch innerhalb einer nicht isolierten, frei gelüfteten und offenen Bauhülle gerecht! Es besteht nicht nur baulich kein Unterschied zu einem Auslauf an einem geschlossenen Stall, sondern es werden auch alle erforderlichen Funktionsbereiche für das Schwein mindestens gleichwertig, in der praktischen Umsetzung für Schwein und Mensch sogar besser erfüllt. 
  • Bei den Fragen der Herkunftskennzeichnung, sowie der Integration der Sauenhaltung und Ferkelaufzucht, der Verarbeitungsware und der Außerhausverpflegung in die Verordnung nehmen wir Sie (vorerst) einfach mal beim Wort! 

Wir trauen uns zu behaupten, die Unterstützung der Mehrheit unserer Gesellschaft ist Ihnen sicher.







Wenn du diesem Brief auch zustimmst und als Unterzeichner aufgelistet werden willst, dann sende bitte eine E-Mail an info@offenstall.com  unter Angabe deines Namens und Ortes.

DIESER BRIEF WIRD VON DEN FOLGENDEN UNTERZEICHNER UNTERSTÜTZT:




Verein zur Förderung der Offenstallhaltung von Schweinen e.V., Traiteur-Platz 1, 49090 Osnabrück

  • Carl Ahrens Westerlage
  • Bert Mutsaers
  • Jens van Bebber
  • Nico Brand
  • Carsten Leiber

VORSTAND